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Abguss ArtikelAbguss ist die Nachbildung körperlicher Gegenstände mit Hilfe von
flüssigen, aber bald erstarrenden Substanzen.
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Die erste Abformung des Gegenstands ergibt die sogen. Matrize, und erst wenn
man von dieser wieder einen Abguss nimmt, erhält man einen Körper, welcher dem
Original völlig gleicht. Die Matrize kann durch Abguss oder Abdruck dargestellt
werden; bis um 1900 benutzte man zu Abgüssen am häufigsten gebrannten Gips,
Ton, feinen Sand oder Tripel (besonders für die Metallgießerei), Glas,
Schwefel, Siegellack, Alaun, Salpeter, Metalllegierungen, Guttapercha,
Wachs, Schellack, Brotkrume, Leim- und Hausenblasenlösung, Metallfolie,
Seidenpapier etc. Inzwischen werden neue Materialien benutzt, wie beispielsweise Silikon, Latex und aber auch Formmassen aus der Medizinaltechnik.
Für die Erstellung der Form gibt es sehr unterschiedliche Techniken. Einige Beispiele folgend:
Darf das Original zerstört werden (Verlorene Form), so befestigt man es schwebend in einem
Gießkasten, bringt einige von der Wandung des letztern bis auf das abzuformende
Original reichende starke Drähte und ein kegelförmiges Stück Holz an, füllt
dann das Kästchen mit einem Brei aus 1 Gips, ¼ Ziegelmehl und Wasser, welches
gleichviel Alaun und Salmiak gelöst enthält, lässt erstarren, vollständig
trocknen, entfernt die starken Drähte und den Holzkegel, glüht dann, um das
Original zu verbrennen, entfernt die Asche (am besten durch Ausschütteln mit
Quecksilber) und gießt hierauf Metall in die Hohlform.
Von Gegenständen, die nicht zerstört werden dürfen, kann man auf gleiche Weise
Abgüsse erhalten, wenn man eine Nachbildung derselben in Wachs mit Gipsbrei
umgießt und durch Erhitzen das Wachs entfernt. Gewöhnlich aber stellt man
mehrteilige Matrizen aus Gips, Schwefel, Leim, Guttapercha dar, fügt die Teile
derselben sorgfältig zusammen und gießt dann die Hohlform aus. In diesem Fall
zeigt der Abguss Nähte an den Stellen, wo die Teile der Matrize
zusammenstießen. Bei wertvollen Kunstwerken lässt man diese Nähte gewöhnlich
stehen, um jede Möglichkeit der Beschädigung auszuschließen; sie sind um so
schwächer, je sorgfältiger die Matrizen angefertigt wurden.
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In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts werden sehr viele Gipsabgüsse von
Kunstwerken für Museen und Privatpersonen hergestellt. So besaß das
Germanische Nationalmuseum damals mehr
Abgüsse als Originalskulpturen. Keineswegs darf man jedoch davon ausgehen,
dass derartige Abgüsse stets das Original 1:1 abbilden; so konnte Röding anhand
der Hildesheimer Chorschranken zeigen, dass durchaus starke Abweichungen
vorkommen können, wenn sich so ein komplexes Werk "besser" in den
Museumskontext einfügen lässt.
[Dieser Artikel basiert hauptsächlich auf dem Artikel aus Meyers Konversationslexikon von 1888.]
Siehe auch: Kunstguss, Verlorene Form
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- Abguß (http://susi.e-technik.uni-ulm.de:8080/meyers/servlet/showSeite?SeiteNr=0043&BandNr=1&textmode=true), in: Meyers Konversationslexikon, 4. Aufl. 1888, Bd. 1, S. 43
- Christine Rödling, Die museale Inszenierung der Hildesheimer Chorschranke, in: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 2000, S.145-157.
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